Adoro Journal – Begleittexte · 3 min Lektüre

Die Übersetzung, die alles veränderte

Ich schenke mir Wein nach, betrachte den nächtlichen See vor dem Fenster, und denke, angeregt durch I.B.s Geschichte über die Kraft echten gegenseitigen Verständnisses, an einen Moment zurück, der mein eigenes literarisches Leben auf unerwartete Weise erweiterte.

Es war, mehrere Jahre nach der Gründung von AlphaHHP Verlag, als mich eine E-Mail erreichte, die ich zunächst für einen Scherz oder, schlimmer noch, für einen plumpen Betrugsversuch hielt: Eine kleine, aber renommierte ausländische Literaturagentur zeigte Interesse daran, eine meiner frühen Thriller-Reihen in eine andere Sprache übersetzen und in einem fremden Land veröffentlichen zu lassen. Ich hatte, bis zu diesem Zeitpunkt, meine Bücher ausschließlich für ein deutschsprachiges Publikum geschrieben und nie ernsthaft in Erwägung gezogen, dass meine, wie ich sie insgeheim manchmal nannte, „bescheidenen Wörtherseer Geschichten” auch Leser in einer vollkommen anderen kulturellen Umgebung interessieren könnten.

Ich antwortete, mit einer Mischung aus Skepsis und vorsichtiger Neugier, und binnen weniger Wochen entwickelte sich ein reger, professioneller Austausch, der schließlich in einem tatsächlichen Übersetzungsvertrag mündete. Die folgenden Monate waren geprägt von einem intensiven, für mich vollkommen neuen Prozess: Gespräche mit der Übersetzerin über kulturelle Nuancen, die sich nicht wörtlich übertragen ließen, Fragen zu regionalen Besonderheiten des Wörthersees, die einem fremdsprachigen Publikum erst erklärt werden mussten, und die eigentümliche Erfahrung, meine eigenen, vertrauten Figuren plötzlich in einer Sprache sprechen zu hören, die ich selbst kaum verstand.

Als das übersetzte Buch schließlich erschien, erhielt ich, in den folgenden Wochen, meine ersten internationalen Leserzuschriften, übersetzt von der Agentur ins Deutsche, damit ich sie verstehen konnte. Ich erinnere mich besonders an eine Zuschrift einer Leserin aus einer Stadt, deren Namen ich zuvor nie gehört hatte, die mir schrieb, dass sie, obwohl sie noch nie in Kärnten gewesen sei, das Gefühl gehabt habe, “an diesem See gestanden zu haben”, allein durch meine Beschreibungen. Diese Rückmeldung hat mich, mehr als jede noch so positive Kritik innerhalb meines eigenen Sprachraums, davon überzeugt, dass gute Geschichten tatsächlich Grenzen überwinden können, die ich selbst nie für überwindbar gehalten hätte.

Diese erste internationale Übersetzung öffnete, in den folgenden Jahren, die Tür zu weiteren Übersetzungen meiner Werke, jede mit ihren eigenen, spezifischen Herausforderungen und Überraschungen. Ich lernte, in diesem Prozess, meine eigenen Geschichten noch einmal neu zu sehen, durch die Augen von Übersetzerinnen und Übersetzern, die mir Fragen stellten, auf die ich selbst, in meiner eigenen Sprache, nie gekommen wäre, und die mir dadurch halfen, meine eigenen erzählerischen Gewohnheiten bewusster zu reflektieren. Eine Übersetzerin fragte mich einmal, mit ansteckender Neugier, warum in fast jedem meiner Bücher irgendwann der Wörthersee erwähnt werde, selbst wenn die eigentliche Handlung ganz woanders spiele, eine Frage, die mich zum ersten Mal bewusst darüber nachdenken ließ, wie tief dieser eine Ort tatsächlich in meinem gesamten literarischen Schaffen verwurzelt war, weit über die offensichtlichen SOKO-Wörthersee-Bände hinaus.

Ich reiste, einige Jahre nach jener ersten Übersetzung, sogar selbst einmal in jenes ferne Land, um an einer kleinen Lesung teilzunehmen, die meine dortige Agentur organisiert hatte. Ich erinnere mich an das eigentümliche, fast surreale Gefühl, in einem Saal voller Menschen zu sitzen, die meine Bücher in einer Sprache gelesen hatten, die ich selbst nicht sprach, und die mir dennoch, mit sichtlicher Begeisterung, Fragen zu Figuren stellten, die ich Jahre zuvor an genau diesem Schreibtisch erdacht hatte. Diese Reise, so kurz sie war, hat mir eindrücklicher als jede vorangegangene Erfahrung gezeigt, dass eine gut erzählte Geschichte tatsächlich ihre eigene, von Sprache und Herkunft unabhängige Sprache spricht, eine Erkenntnis, die mich seither in meinem gesamten weiteren Schaffen begleitet hat.

Ich lächle, während ich mich an jene erste, ungläubige E-Mail erinnere, und greife nach der nächsten Karte, bereit, weiter in den Fallgeschichten dieses dritten Bandes fortzufahren.

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Notfälle und Sekunden, die zählen·3 min Lektüre

Die Nacht, in der die Beine schwiegen

Karteikarte Nr. 001 — Datum unleserlich, vermutlich früher Herbst. Kürzel: M.K., 34 J. Stichwort: HWS-Stenose, Querschnittssymptomatik, Notfall-OP 2:40 Uhr. Notiz am Rand, mit Kugelschreiber nachgezogen: "Der Fall, mit dem alles anfing."

Notfälle und Sekunden, die zählen·3 min Lektüre

Der Vater, der beim eigenen Geburtstag kollabierte

Karteikarte Nr. 004 — Datum: Frühsommer. Kürzel: T.B., 41 J. Stichwort: Spinales Epiduralhämatom, akute Querschnittssymptomatik, OP innerhalb von drei Stunden. Notiz am Rand: "Die Zeit war der eigentliche Gegner, nicht die Krankheit."

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Der Anruf um 3 Uhr 12

Karteikarte Nr. 007 — Datum: Winter, mehrere Jahre nach meiner eigenen Facharztzeit. Kürzel: Dr. F., Assistenzärztin, Telefonat 3:12 Uhr. Stichwort: Ferndiagnose per Telefon, Entscheidung gegen die eigene Unsicherheit. Notiz am Rand: "Manchmal muss man dem jungen Kollegen mehr Mut leihen als Wissen."