Adoro Journal – Begleittexte · 3 min Lektüre
Die Auszeichnung, die ich nicht erwartet hatte
Ich lasse mir Zeit, bevor ich zur nächsten Karte greife, und lasse eine Erinnerung an einen Abend zurückkehren, der mich, in seiner unerwarteten Feierlichkeit, noch heute mit einer stillen Rührung erfüllt.
Es war, einige Jahre nach der Verfilmung meiner „SOKO Wörthersee”-Reihe, als mich ein Brief unserer regionalen Kulturbehörde erreichte, der mich zunächst, ehrlich gesagt, eher verwirrte als erfreute: Ich sei, so stand es dort geschrieben, für eine regionale Kulturauszeichnung nominiert worden, die Menschen würdigt, deren Lebenswerk in besonderer Weise zur kulturellen Identität unserer Region beigetragen habe. Ich hatte, bis zu diesem Zeitpunkt, meine eigene schriftstellerische Tätigkeit nie in einer solchen, gesellschaftlich bedeutsamen Kategorie verortet, sondern sie stets als eine sehr persönliche, fast schon private Leidenschaft betrachtet, die sich zufällig zu einem zweiten Beruf entwickelt hatte.
Ich erzählte meiner Frau von diesem Brief, an jenem Abend, mit einer Mischung aus Geschlagenheit und leiser Skepsis, ob eine solche Auszeichnung tatsächlich für mich, einen ehemaligen Chirurgen mit einem selbstgegründeten, vergleichsweise kleinen Verlag, angemessen sei. Sie hörte sich meine Bedenken geduldig an, bevor sie mir, mit einer Direktheit, die mich manchmal selbst überrascht, entgegnete: „Du hast, in den vergangenen zwanzig Jahren, mehr Geschichten aus unserer Region erzählt als fast jeder andere. Wenn das keine kulturelle Bedeutung hat, was dann?”
Die eigentliche Verleihungszeremonie, die einige Monate später in einem historischen Saal unweit des Wörthersees stattfand, gehört zu den bewegendsten Abenden meines gesamten zweiten Lebens. Ich saß, gemeinsam mit meiner Frau und meiner Tochter, in den ersten Reihen eines festlich geschmückten Saals, umgeben von anderen Preisträgern aus Musik, bildender Kunst und Wissenschaft, und lauschte der Laudatio, die eine mir bis dahin unbekannte Literaturwissenschaftlerin über mein Werk hielt, eine Rede, die, zu meiner eigenen Überraschung, Verbindungen zwischen meinen verschiedenen Buchreihen aufzeigte, die mir selbst, in all den Jahren des Schreibens, nie in dieser Klarheit bewusst geworden waren.
Als ich schließlich selbst ans Rednerpult trat, um meine eigene, kurze Dankesrede zu halten, spürte ich eine Nervosität, die mich, nach Jahrzehnten öffentlicher Vorträge in meiner chirurgischen Laufbahn, selbst überraschte, eine andere, verletzlichere Form der Nervosität als jene, die mich vor einer komplexen Operation begleitet hatte. Ich sprach, in jener Rede, nicht über meine eigenen Erfolge, sondern über die vielen Menschen, deren Geschichten mich zu meinem Schreiben inspiriert hatten, echte Patienten ebenso wie erfundene Figuren, und über meine Frau, deren geduldige Unterstützung, wie ich es öffentlich aussprach, die eigentliche Grundlage all meiner Bücher gewesen war.
Ich bewahre die kleine, schlichte Trophäe jener Auszeichnung bis heute in meinem Arbeitszimmer auf, weniger als Zeichen persönlicher Eitelkeit als stete Erinnerung daran, wie unerwartet sich ein zweites Leben, das mit einer einzigen, zögerlichen Zeile an genau diesem Schreibtisch begann, tatsächlich entwickeln kann. Ich habe, seit jenem Abend, mehrfach über die eigentliche Bedeutung dieser Auszeichnung nachgedacht, und bin zu der Überzeugung gelangt, dass sie mir weniger für die einzelnen Bücher verliehen wurde, die ich geschrieben habe, sondern für die Beharrlichkeit, mit der ich, über zwei Jahrzehnte hinweg, an diesem zweiten beruflichen Weg festgehalten habe, trotz der anfänglichen Rückschläge, die ich in früheren Kapiteln dieses Bandes bereits beschrieben habe.
Meine Tochter erzählte mir, einige Wochen nach jener Zeremonie, dass sie, während meiner Dankesrede, zum ersten Mal wirklich verstanden habe, wie viel Mut es mich gekostet haben musste, mit über fünfzig Jahren noch einmal vollständig neu anzufangen, eine Einsicht, die mich, aus dem Mund meiner eigenen Tochter, tiefer berührte als jede Laudatio des Abends selbst. Ich greife nach der nächsten Karte, mit erneuerter Dankbarkeit für diesen langen, ungewöhnlichen Weg, der mich, allen anfänglichen Zweifeln zum Trotz, bis an diesen Schreibtisch und in jenen festlichen Saal geführt hat.
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Die Nacht, in der die Beine schwiegen
Karteikarte Nr. 001 — Datum unleserlich, vermutlich früher Herbst. Kürzel: M.K., 34 J. Stichwort: HWS-Stenose, Querschnittssymptomatik, Notfall-OP 2:40 Uhr. Notiz am Rand, mit Kugelschreiber nachgezogen: "Der Fall, mit dem alles anfing."
Der Vater, der beim eigenen Geburtstag kollabierte
Karteikarte Nr. 004 — Datum: Frühsommer. Kürzel: T.B., 41 J. Stichwort: Spinales Epiduralhämatom, akute Querschnittssymptomatik, OP innerhalb von drei Stunden. Notiz am Rand: "Die Zeit war der eigentliche Gegner, nicht die Krankheit."
Der Anruf um 3 Uhr 12
Karteikarte Nr. 007 — Datum: Winter, mehrere Jahre nach meiner eigenen Facharztzeit. Kürzel: Dr. F., Assistenzärztin, Telefonat 3:12 Uhr. Stichwort: Ferndiagnose per Telefon, Entscheidung gegen die eigene Unsicherheit. Notiz am Rand: "Manchmal muss man dem jungen Kollegen mehr Mut leihen als Wissen."