Adoro Journal – Begleittexte · 3 min Lektüre
Der Verlag, den niemand für möglich hielt
Ich schenke mir Wein nach, betrachte das ruhigere Kaminfeuer, das nach der intensiven letzten Karte fast wohltuend wirkt, und lasse eine weitere Erinnerung aus meinem zweiten Leben als Autor zurückkehren.
Als meine ersten Manuskripte unter dem Namen Art Adoro fertig waren, stand ich vor einer Entscheidung, die mich, ehrlich gesagt, zunächst überforderte: Sollte ich versuchen, einen etablierten Verlag von meinen Texten zu überzeugen, mit all der Unsicherheit und den langen Wartezeiten, die ein solcher Weg mit sich bringt, oder sollte ich, wie ich es Jahrzehnte zuvor schon einmal mit meiner eigenen Werbeagentur getan hatte, den mutigeren, aber auch riskanteren Weg wählen und selbst zum Verleger werden? Ich erinnerte mich, während ich diese Frage wälzte, an die Zeit meiner Wartejahre auf einen Medizinstudienplatz, an jene frühere, kleine Verlagserfahrung, die ich, gemeinsam mit meiner Werbeagentur, damals gesammelt hatte, und spürte, wie sich eine vertraute, fast schon vergessene unternehmerische Energie in mir regte.
Ich gründete AlphaHHP Verlag, in den ersten Jahren buchstäblich vom heimischen Schreibtisch aus, ohne Angestellte, ohne nennenswertes Startkapital, nur mit der festen Überzeugung, dass ich, mit derselben Disziplin, die mich durch mein gesamtes bisheriges Leben getragen hatte, auch diesen neuen, ungewissen Weg würde meistern können. Die ersten Monate waren, das gebe ich offen zu, von erheblichen Rückschlägen geprägt: technische Probleme beim Buchsatz, die ich mir mühsam selbst beibringen musste, Druckereien, die meine kleinen Auflagen zunächst kaum ernst nahmen, und, am schwersten wiegend, eine erste, durchwachsene Rezension meines allerersten Romans, die mich, ich erinnere mich noch genau an jenen Abend, ernsthaft an meiner Entscheidung zweifeln ließ.
Meine Frau war es, die mich, in genau jener kritischen Phase, mit einer einfachen, aber für mich entscheidenden Frage zurück auf Kurs brachte: „Hast du dein erstes Buch geschrieben, um sofort erfolgreich zu sein, oder weil du diese Geschichte erzählen wolltest?” Diese Frage, so schlicht sie klingt, half mir, den Fokus von der äußeren Anerkennung, die zunächst ausblieb, zurück auf die eigentliche, innere Motivation meines Schreibens zu lenken, eine Verschiebung der Perspektive, die mich, in den folgenden Jahren, durch so manche weitere Durststrecke trug.
Der eigentliche Wendepunkt kam, mehrere Jahre später, nicht durch einen einzelnen, spektakulären Erfolg, sondern durch eine langsam, aber stetig wachsende Leserschaft, die sich, Buch für Buch, Serie für Serie, um meine verschiedenen Reihen versammelte. Ich lernte, in dieser Zeit, was es tatsächlich bedeutet, ein Verlagshaus zu führen, jenseits des reinen Schreibens: die Logistik des Vertriebs, die Feinheiten der Buchgestaltung, die vielen kleinen, unsichtbaren Entscheidungen, die zwischen einem fertigen Manuskript und einem Buch liegen, das tatsächlich seine Leser findet.
Ich betrachte, während ich diese Zeilen schreibe, die lange Reihe meiner eigenen Bücher im Regal neben meinem Schreibtisch, über zweihundert inzwischen, und denke an jenen ersten, unsicheren Abend zurück, an dem ich, mit nichts als einer festen Überzeugung und einer soliden Portion Sturheit, beschloss, meinen eigenen Verlag zu gründen. Ich habe, in all den Jahren seither, nie wieder ernsthaft daran gezweifelt, dass dies die richtige Entscheidung war, auch wenn mir bewusst ist, wie viel Glück, harte Arbeit und, nicht zuletzt, die geduldige Unterstützung meiner Frau dazu beigetragen haben, dass aus jenem kleinen, unsicheren Anfang tatsächlich ein tragfähiges Verlagshaus wurde.
Ich denke manchmal, wenn ich junge Autorinnen und Autoren treffe, die vor einer ähnlichen Entscheidung stehen wie ich damals, an jene erste, durchwachsene Rezension zurück, die mich fast entmutigt hätte, und
ermutige sie stets, sich nicht von einer einzelnen, kritischen Stimme von ihrem eigentlichen Anliegen abbringen zu lassen. Der Weg vom ersten, unsicheren Manuskript zu einem tragfähigen Verlagshaus ist selten geradlinig, das habe ich selbst auf die harte Weise gelernt, aber er ist, mit der richtigen Ausdauer und dem richtigen Rückhalt, durchaus gangbar. Ich greife nach der nächsten Karte, bereit für die nächste Fallgeschichte dieses dritten Bandes.
Weiterlesen im Journal
Die Nacht, in der die Beine schwiegen
Karteikarte Nr. 001 — Datum unleserlich, vermutlich früher Herbst. Kürzel: M.K., 34 J. Stichwort: HWS-Stenose, Querschnittssymptomatik, Notfall-OP 2:40 Uhr. Notiz am Rand, mit Kugelschreiber nachgezogen: "Der Fall, mit dem alles anfing."
Der Vater, der beim eigenen Geburtstag kollabierte
Karteikarte Nr. 004 — Datum: Frühsommer. Kürzel: T.B., 41 J. Stichwort: Spinales Epiduralhämatom, akute Querschnittssymptomatik, OP innerhalb von drei Stunden. Notiz am Rand: "Die Zeit war der eigentliche Gegner, nicht die Krankheit."
Der Anruf um 3 Uhr 12
Karteikarte Nr. 007 — Datum: Winter, mehrere Jahre nach meiner eigenen Facharztzeit. Kürzel: Dr. F., Assistenzärztin, Telefonat 3:12 Uhr. Stichwort: Ferndiagnose per Telefon, Entscheidung gegen die eigene Unsicherheit. Notiz am Rand: "Manchmal muss man dem jungen Kollegen mehr Mut leihen als Wissen."