Skurrile Unfälle · 3 min Lektüre

Der Schulbus

Karteikarte Nr. 125 — Datum: früher Wintermorgen, vereiste Landstraße. Kürzel: mehrere, Schulbusunfall mit zwölf betroffenen Kindern. Stichwort: Massenanfall von Verletzten im Kindesalter, Koordination mit mehreren Kinderkliniken der Region. Notiz: eine Klasse gezeichneter Genesungswünsche, von den unverletzten Mitschülern gesammelt.

Der Fall

An einem frühen, eisigen Wintermorgen geriet ein Schulbus mit zwölf Kindern an Bord auf einer stark vereisten Landstraße ins Rutschen und kippte, unter den entsetzten Blicken vorbeifahrender Autofahrer, in einen angrenzenden, tiefen Graben. Die Meldung erreichte uns binnen weniger, angespannter Minuten, mit der beunruhigenden ersten Einschätzung, dass mehrere Kinder Verdacht auf Wirbelsäulen- und Kopfverletzungen zeigten. Ich wurde, als diensthabender Neurochirurg, umgehend und mit größter Dringlichkeit alarmiert und stand, noch auf dem Weg zur Klinik, bereits in telefonischem Kontakt mit der Rettungsleitstelle, um die Koordination der zahlreichen ankommenden jungen Patienten so gut wie irgend möglich vorzubereiten.

Die Wendung

Die schiere Zahl potenziell verletzter Kinder überstieg die Kapazität unserer eigenen Kinderabteilung, sodass wir, in enger Abstimmung mit zwei benachbarten Kinderkliniken, eine koordinierte Verteilung der Verletzten organisierten, je nach Schwere ihrer Verletzung und den jeweils verfügbaren Kapazitäten. Ich übernahm die medizinische Gesamtkoordination für die neurochirurgisch relevanten Fälle, drei Kinder mit Verdacht auf Wirbelsäulenbeteiligung, während unsere pädiatrische Abteilung sich um die übrigen, überwiegend leichter verletzten Kinder kümmerte, eine logistische Herausforderung, die eine Präzision der Kommunikation zwischen mehreren Kliniken verlangte, wie ich sie zuvor selten erlebt hatte.

Die Rettung

Von den drei Kindern mit Verdacht auf Wirbelsäulenbeteiligung erwies sich bei genauerer, sorgfältiger Untersuchung eines als tatsächlich kritisch, ein zehnjähriges Mädchen mit einer instabilen Fraktur, das ich noch am selben Vormittag, ohne jede weitere Verzögerung, persönlich operierte, während die beiden anderen Kinder mit konservativen Maßnahmen behandelt werden konnten. Die Operation an dem Mädchen verlangte von mir eine besondere, zusätzliche Behutsamkeit, wie sie kindliche Wirbelsäulen grundsätzlich erfordern, deren noch wachsende Strukturen eine andere chirurgische Herangehensweise verlangen als die eines erwachsenen Patienten.

Der Weg zurück

Alle zwölf Kinder überlebten den Unfall glücklicherweise ohne bleibende Schäden, und bis auf das operierte Mädchen, das eine mehrmonatige, aber letztlich erfolgreiche Rehabilitation durchlief, erholten sich alle übrigen Kinder innerhalb weniger Wochen vollständig. Die Schule organisierte, in den Tagen nach dem Unfall, eine Sammelaktion, bei der die unverletzten Mitschüler bunte, liebevoll gestaltete Genesungswünsche für ihre verletzten Klassenkameraden zeichneten, von denen ich, mit besonderer Freude, eine ganze gerahmte Sammlung für unsere Kinderstation erhielt.

Die Nachwirkung

Dieser Massenanfall verletzter Kinder gehört zu den organisatorisch anspruchsvollsten Situationen meiner gesamten Laufbahn, und er hat mir eindrücklich gezeigt, wie wichtig eine eingeübte, überregionale Zusammenarbeit zwischen benachbarten Kliniken in solchen Ausnahmesituationen ist. Wir haben, nach diesem Ereignis, gemeinsam mit den beiden benachbarten Kinderkliniken ein festes Kooperationsprotokoll für Massenanfälle im Kindesalter entwickelt, das seither die Grundlage für unsere gemeinsamen jährlichen Notfallübungen bildet. Ich denke oft daran zurück, wie ruhig und diszipliniert unser gesamtes Team, über die Klinikgrenzen hinweg, in jenen ersten chaotischen Stunden zusammenarbeitete, ein Zusammenhalt, der mir noch heute Zuversicht gibt, wenn ich an künftige, hoffentlich nie eintretende Szenarien ähnlichen Ausmaßes denke.

Was mich an diesem Fall besonders bewegte, war die Reaktion der Kinder selbst, sowohl der verletzten als auch der unverletzten. Während die Erwachsenen, Eltern wie Lehrer, in den ersten Tagen von verständlicher Angst und Anspannung geprägt waren, fanden die Kinder untereinander erstaunlich schnell zu einer eigenen, kindlichen Form der Solidarität zurück, die sich in den gemalten Genesungswünschen ebenso zeigte wie in den kleinen, selbstverständlichen Gesten gegenseitiger Rücksichtnahme, die mir das Pflegepersonal von der Kinderstation berichtete.

Ich hänge die gerahmte Sammlung der Kinderzeichnungen, die seither einen festen, gut sichtbaren Platz in unserem Wartebereich hat, kurz vor meinem inneren Auge auf, bevor ich die nächste Karte aus dem Kasten ziehe.

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