Adoro Journal – Begleittexte · 4 min Lektüre

Der Kasten ist noch nicht leer

Ich greife nach der letzten Karte, die ich mir für diesen dritten Band aufgehoben habe, und halte inne, bevor ich sie beschrifte. Der Kamin ist, während ich diese letzten Zeilen schreibe, zu einer stillen Glut heruntergebrannt, meine Frau hat, vor einer Weile, aufgehört zu spielen und sitzt nun still neben mir, ein Glas Wein in der Hand, während wir beide, ohne viele Worte, auf diesen einen, besonderen Moment zugehen.

Ich habe, in den vergangenen Monaten, in denen ich diesen Band geschrieben habe, weit mehr Karten gezogen, als ich es mir zu Beginn hätte vorstellen können, weit mehr auch als in beiden vorangegangenen Bänden zusammen. Ich habe von Dirigenten und Trüffelsuchern erzählt, von Höhlentauchern und Buchbindern, von einer Frau ohne Vergangenheit und einem Mann, dessen Nase ihn plötzlich nicht mehr zu kennen glaubte. Ich habe, gleichzeitig, mehr von meinem eigenen, doppelten Leben preisgegeben als in jedem früheren Band, von der Entstehung meines Pseudonyms bis zu jenem Moment, in dem ich selbst, zum ersten Mal, auf der anderen Seite des Operationstisches lag.

Ich blicke, während ich die letzte Karte in meiner Hand halte, zum Fenster hinaus auf den nächtlichen See, dessen Oberfläche sich, im schwachen Licht der aufgehenden Mondes, in einem stillen, silbrigen Schimmer zeigt, derselbe See, an dessen Ufer vor so vielen Jahren die Idee zu meiner ersten Krimireihe entstand, derselbe See, an dem ich, seit Jahrzehnten, meine ruhigsten und zugleich klarsten Gedanken finde. Ich denke an all die Menschen, deren Geschichten ich in diesem Band festgehalten habe, und an jene Leserin, deren Brief mich zu Beginn dieses Bandes überhaupt erst zurück an diesen Karteikasten geführt hat.

Ich weiß, während ich diese letzten Zeilen schreibe, nicht, ob genau dieselbe Leserin, oder eine andere, mir irgendwann einen weiteren Brief schreiben wird, der mich erneut an diesen Kasten zurückführt. Ich weiß nur, mit einer Gewissheit, die mich selbst überrascht, dass der Kasten, den ich vor mir auf dem Schreibtisch stehen habe, noch lange nicht leer ist, dass sich, irgendwo in seinen hinteren Fächern, noch unzählige weitere Karten befinden, deren Geschichten darauf warten, eines Tages erzählt zu werden.

Ich nehme die letzte, noch unbeschriebene Karte dieses Bandes zur Hand und schreibe, mit ruhiger, fester Hand, drei Worte darauf, dieselben drei Worte, mit denen ich bereits Band 2 beendet hatte, weil mir, nach reiflicher Überlegung, kein treffenderer Abschluss für dieses fortlaufende Archiv einfällt: „Der Kasten wartet.”

Ich lege die Karte zurück in den Kasten, schließe ihn behutsam, und stelle ihn zurück an seinen angestammten Platz im Regal, an jene Stelle, an der er, wie schon zuvor, geduldig auf seinen nächsten Öffnungsmoment warten wird. Meine Frau nimmt meine Hand, während wir beide, in der nun vollständigen Stille des Abends, dem letzten Glühen des Kaminfeuers zusehen, dankbar für diesen dritten, so umfangreichen Band, und still zuversichtlich, dass noch mehr folgen wird.

Band 4 der Reihe „Das Archiv der Wunder” folgt.

Nachwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie halten nun den dritten Band von „Das Archiv der Wunder” in Ihren Händen, einen Band, der, wie ich selbst beim Schreiben immer wieder feststellen musste, deutlich umfangreicher geworden ist als seine beiden Vorgänger. Ich habe mich, als ich diesen Band begann, bewusst dafür entschieden, den Fallgeschichten eine etwas andere, spannungsreichere Note zu geben, mit stärkeren Wendungen und mehr Rätseln, als Sie es vielleicht aus den ersten beiden Bänden gewohnt waren. Ich hoffe, dass Ihnen diese Weiterentwicklung gefallen hat, und dass sie dazu beigetragen hat, mein Werk und meinen Namen, Art Adoro, einem etwas breiteren Kreis von Lesern bekannt zu machen.

Wie schon in den vorangegangenen Bänden möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, dass die Fallgeschichten in diesem Buch, trotz ihrer medizinischen Plausibilität und trotz meiner eigenen, jahrzehntelangen Erfahrung als Neurochirurg, überwiegend fiktiver Natur sind. Namen wurden verändert, Details verschmolzen, ganze Situationen neu erdacht, um sowohl die Privatsphäre realer Menschen zu schützen als auch eine erzählerische Freiheit zu wahren, die ein reines Sachbuch nicht geboten hätte. Die biografischen Kapitel, die mein eigenes, doppeltes Leben nachzeichnen, beruhen dagegen auf tatsächlichen Ereignissen meines Lebens, auch wenn ich mir, wie bereits in Band 1 erwähnt, an manchen Stellen erzählerische Freiheiten genommen habe, wo die eigene Erinnerung nach so vielen Jahren lückenhaft geworden war.

Ich danke Ihnen, von Herzen, für Ihre Begleitung durch diesen umfangreichen dritten Band, für Ihre Geduld mit einem Autor, der sich zunehmend traut, auch die persönlicheren, verletzlicheren Seiten seines Lebens mit Ihnen zu teilen. Ich danke insbesondere jener Leserin, deren Brief mich, zu Beginn dieses Bandes, überhaupt erst wieder an meinen Karteikasten zurückführte, und ich hoffe, dass ihre eigene, im Buch nur angedeutete Geschichte, in diesen Seiten ein wenig von jenem Trost gefunden hat, den sie sich, wie ich es aus ihrem Brief herauslas, erhofft hatte.

Sollten Sie selbst eine ungewöhnliche, bewegende oder rätselhafte Geschichte kennen, die in einen künftigen Band dieses Archivs passen könnte, freue ich mich, wie immer, über Ihre Zuschrift über artadoro.com. Der Kasten, wie Sie in diesem Band gelesen haben, ist noch lange nicht leer.

Ihr Art Adoro (Prof. Dr. Udo Schlot)

[A KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.]

[][77 Ways to Save Money and Live Better KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.]

Weiterlesen im Journal

Notfälle und Sekunden, die zählen·3 min Lektüre

Die Nacht, in der die Beine schwiegen

Karteikarte Nr. 001 — Datum unleserlich, vermutlich früher Herbst. Kürzel: M.K., 34 J. Stichwort: HWS-Stenose, Querschnittssymptomatik, Notfall-OP 2:40 Uhr. Notiz am Rand, mit Kugelschreiber nachgezogen: "Der Fall, mit dem alles anfing."

Notfälle und Sekunden, die zählen·3 min Lektüre

Der Vater, der beim eigenen Geburtstag kollabierte

Karteikarte Nr. 004 — Datum: Frühsommer. Kürzel: T.B., 41 J. Stichwort: Spinales Epiduralhämatom, akute Querschnittssymptomatik, OP innerhalb von drei Stunden. Notiz am Rand: "Die Zeit war der eigentliche Gegner, nicht die Krankheit."

Notfälle und Sekunden, die zählen·3 min Lektüre

Der Anruf um 3 Uhr 12

Karteikarte Nr. 007 — Datum: Winter, mehrere Jahre nach meiner eigenen Facharztzeit. Kürzel: Dr. F., Assistenzärztin, Telefonat 3:12 Uhr. Stichwort: Ferndiagnose per Telefon, Entscheidung gegen die eigene Unsicherheit. Notiz am Rand: "Manchmal muss man dem jungen Kollegen mehr Mut leihen als Wissen."