Adoro Journal – Begleittexte · 3 min Lektüre

Der Anruf aus der Filmwelt

Ich lächle noch, während ich an D.K.s signierten Kartensatz denke, und lasse eine weitere Erinnerung zurückkehren, die mein zweites Leben als Autor auf eine Weise veränderte, die ich mir zuvor nie hätte träumen lassen.

Es war an einem gewöhnlichen Dienstagnachmittag, mehrere Jahre nach der Gründung meines Verlags, als mein Telefon klingelte und sich eine mir unbekannte Stimme als Vertreterin einer Filmproduktionsfirma vorstellte, die Interesse an den Verfilmungsrechten meiner „SOKO Wörthersee”-Reihe bekundete. Ich erinnere mich, wie ich, für einen Moment, ernsthaft überlegte, ob es sich um einen Scherz eines befreundeten Kollegen handeln könnte, so unwahrscheinlich erschien mir diese Möglichkeit zunächst.

Die folgenden Wochen waren geprägt von einer Reihe von Gesprächen, Vertragsverhandlungen und, was mich am meisten überraschte, einem regen kreativen Austausch mit dem vorgesehenen Drehbuchteam, das mir zahlreiche Fragen zu meinen Figuren, ihren Hintergründen und den feinen atmosphärischen Details des Wörthersees stellte, die ich in meinen Büchern über die Jahre entwickelt hatte. Ich fand mich, zu meiner eigenen Verwunderung, in der ungewohnten Rolle eines gefragten Beraters wieder, dessen jahrzehntelange, aus der eigenen Wirklichkeit gespeiste Detailkenntnis plötzlich einen ganz neuen, visuellen Ausdruck finden sollte.

Als die ersten Drehorte besichtigt wurden, direkt an unserem eigenen See, empfand ich ein eigentümliches Gefühl der Doppelung: Orte, die ich in meiner Fantasie über Jahre bewohnt hatte, wurden nun tatsächlich, mit Kameras, Scheinwerfern und einem ganzen Filmteam, in physische Kulissen verwandelt. Ich besuchte, an einem regnerischen Herbsttag, einen der ersten Drehtage, stand am Rand des Sets und beobachtete, wie Schauspieler Dialoge sprachen, die ich Jahre zuvor an meinem eigenen Schreibtisch geschrieben hatte, eine Erfahrung, die mich tiefer bewegte, als ich es mir zuvor hätte vorstellen können.

Meine Frau, die mich an jenem Tag begleitete, bemerkte, mit ihrem gewohnten Scharfblick, wie still ich während der gesamten Beobachtung geworden war, und fragte mich, auf dem Rückweg, was mich so bewegt habe. Ich erklärte ihr, nach einigem Nachdenken, dass es weniger die schiere Tatsache der Verfilmung selbst war, die mich berührte, sondern die Erkenntnis, dass Geschichten, einmal erzählt, ein Eigenleben entwickeln können, das weit über die ursprüngliche Absicht ihres Schöpfers hinausreicht, eine Erkenntnis, die mich, in meinem Verständnis des eigenen Schreibens, nachhaltig veränderte.

Die Serie wurde, nach ihrer Ausstrahlung, ein beachtlicher Erfolg, der meiner Buchreihe eine ganz neue, deutlich größere Leserschaft bescherte, aber der eigentliche, bleibende Gewinn jener Erfahrung war für mich, wie ich es meiner Frau an jenem Abend zu erklären versuchte, dieses neue, tiefere Verständnis dafür, was es tatsächlich bedeutet, eine Geschichte in die Welt zu entlassen. Ich erinnere mich, wie ich in den Wochen nach der ersten Ausstrahlung zahlreiche neue Leserzuschriften erhielt, viele davon von Menschen, die, wie sie mir schrieben, „durch die Serie zum ersten Mal von den Büchern erfahren” hätten, ein Kreislauf zwischen den beiden Medien, der mir vorher nie in dieser Form bewusst gewesen war.

Ich habe, in den Jahren nach jener ersten Verfilmung, gelernt, den Unterschied zwischen meiner eigenen, ursprünglichen Vision einer Geschichte und ihrer notwendigen Übersetzung in ein anderes Medium mit größerer Gelassenheit zu akzeptieren, auch wenn mir, das gebe ich offen zu, nicht jede kreative Entscheidung des Drehbuchteams zunächst leichtfiel. Ich erinnere mich besonders an eine Szene, in der eine meiner liebsten Nebenfiguren eine gänzlich andere Wendung nahm, als ich sie ursprünglich geschrieben hatte, eine Änderung, die mich zunächst irritierte, bis ich erkannte, dass sie, im Kontext des Films, tatsächlich besser funktionierte als meine eigene, literarische Lösung. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, meine eigenen Geschichten loszulassen, sobald sie in die Hände anderer kreativer Köpfe übergehen, eine Lektion, die mir, als jemand, der über Jahrzehnte gewohnt war, allein über das letzte Wort in einem Operationssaal zu verfügen, keineswegs leichtfiel, mich aber am Ende sehr bereichert hat.

Ich greife nach der nächsten Karte, bereit, mit derselben Neugier fortzufahren, die mich all die Jahre über getragen hat.

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Notfälle und Sekunden, die zählen·3 min Lektüre

Die Nacht, in der die Beine schwiegen

Karteikarte Nr. 001 — Datum unleserlich, vermutlich früher Herbst. Kürzel: M.K., 34 J. Stichwort: HWS-Stenose, Querschnittssymptomatik, Notfall-OP 2:40 Uhr. Notiz am Rand, mit Kugelschreiber nachgezogen: "Der Fall, mit dem alles anfing."

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Der Vater, der beim eigenen Geburtstag kollabierte

Karteikarte Nr. 004 — Datum: Frühsommer. Kürzel: T.B., 41 J. Stichwort: Spinales Epiduralhämatom, akute Querschnittssymptomatik, OP innerhalb von drei Stunden. Notiz am Rand: "Die Zeit war der eigentliche Gegner, nicht die Krankheit."

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Der Anruf um 3 Uhr 12

Karteikarte Nr. 007 — Datum: Winter, mehrere Jahre nach meiner eigenen Facharztzeit. Kürzel: Dr. F., Assistenzärztin, Telefonat 3:12 Uhr. Stichwort: Ferndiagnose per Telefon, Entscheidung gegen die eigene Unsicherheit. Notiz am Rand: "Manchmal muss man dem jungen Kollegen mehr Mut leihen als Wissen."