Skurrile Unfälle · 3 min Lektüre

Das Presswerk

Karteikarte Nr. 127 — Datum: gewöhnliche Nachtschicht in einem metallverarbeitenden Betrieb. Kürzel: K.M., 36 J., Werkzeugmechaniker. Stichwort: Quetschverletzung nach Fehlfunktion einer Industriepresse, komplexe Kombination aus Wirbelsäulen- und Extremitätenverletzung. Notiz: ein kleines Metallteil aus der defekten Maschine, als Andenken vom Betrieb überreicht.

Der Fall

K.M. war sechsunddreißig Jahre alt und bereits seit vielen Jahren als Werkzeugmechaniker in einem metallverarbeitenden Betrieb, als eine plötzliche, unvorhersehbare Fehlfunktion einer großen Industriepresse während der Nachtschicht ihn erfasste und gegen einen benachbarten Maschinenrahmen presste, bevor seine Kollegen, unter großem Schrecken, die Notabschaltung erreichen konnten. Er erlitt dabei eine komplexe, seltene Kombination aus einer schweren Wirbelsäulenverletzung und einer ebenso schweren Verletzung eines Arms, eine Kombinationsverletzung, die eine besonders enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen mir und den Kollegen aus der Unfallchirurgie unbedingt erforderlich machte, um beide Verletzungen in der richtigen Reihenfolge und mit der jeweils notwendigen Dringlichkeit zu behandeln.

Die Wendung

Wir mussten, gemeinsam mit dem unfallchirurgischen Team, in den ersten kritischen, hochangespannten Stunden eine sorgfältige, wohlüberlegte Priorisierung vornehmen: Die Wirbelsäulenverletzung mit ihrer beginnenden neurologischen Beeinträchtigung erforderte zeitliche Dringlichkeit, während die schwere Armverletzung eine ebenso dringliche, wenngleich andersartige chirurgische Versorgung verlangte, eine Situation, in der zwei verschiedene chirurgische Fachrichtungen ihre jeweilige Priorität sorgsam gegeneinander abwägen mussten, ohne dass eine Behandlung die andere unnötig verzögerte oder gefährdete. Wir entschieden uns gemeinsam für eine koordinierte, teilweise parallel ablaufende Operation, bei der beide Teams gleichzeitig, an unterschiedlichen Körperregionen, konzentriert arbeiteten.

Die Rettung

Die gemeinsame, mehrstündige Operation verlangte von beiden Teams eine Präzision der Abstimmung, wie ich sie in dieser besonderen Form nur selten erlebt hatte, insbesondere bei der Lagerung des Patienten, die beiden chirurgischen Zugängen gleichzeitig gerecht werden musste, eine logistische Feinabstimmung, die im Vorfeld ausführlich zwischen beiden Teams besprochen und geprobt wurde. Die Entlastung des komprimierten Rückenmarks gelang ohne weitere Komplikationen, ebenso die parallel durchgeführte, technisch anspruchsvolle Versorgung der schweren Armverletzung, eine Operation, die uns allen, im Rückblick, als besonders eindrückliches Beispiel echter interdisziplinärer Zusammenarbeit unter enormem Zeitdruck in Erinnerung blieb.

Der Weg zurück

K.M. durchlief eine lange, anspruchsvolle und keineswegs geradlinig verlaufende Rehabilitation, die sowohl seine Wirbelsäulen- als auch seine Armfunktion betraf, sorgfältig koordiniert zwischen mehreren beteiligten Fachdisziplinen. Er kehrte, nach über einem Jahr intensiver, konsequent durchgehaltener Reha, in einer angepassten Funktion zu seinem Betrieb zurück, der ihm, nach dem Unfall, sehr entgegenkommend eine neue, seinen aktuellen körperlichen Möglichkeiten besser entsprechende Position in der Qualitätskontrolle anbot, eine Geste, die K.M. als „mehr als ich hätte erwarten dürfen” bezeichnete. Der Betrieb überreichte mir, nach K.M.s erfolgreicher, lange erhoffter Rückkehr, ein kleines, poliertes Metallteil der defekten Maschine als symbolisches Dankeschön, versehen mit einer kleinen Plakette zur nun deutlich verbesserten Sicherheitstechnik, die als unmittelbare, direkte Konsequenz aus diesem folgenschweren Unfall eingeführt wurde.

Die Nachwirkung

K.M.s Fall hat mir eindrücklich vor Augen geführt, wie wichtig eine nahtlose, unmittelbare Zusammenarbeit zwischen verschiedenen chirurgischen Fachdisziplinen bei komplexen Kombinationsverletzungen ist, und wie sehr der Behandlungserfolg von einer klaren, im Ernstfall blitzschnell abgestimmten Priorisierung abhängt. Wir haben, nach diesem Fall, gemeinsame Trainingsszenarien mit der Unfallchirurgie für genau solche Kombinationsverletzungen etabliert, die seither regelmäßig durchgeführt werden. Diese gemeinsamen, regelmäßig wiederholten Übungen haben, wie mir mehrere Kollegen aus beiden Abteilungen bestätigten, nicht nur die rein fachliche Koordination spürbar verbessert, sondern auch ein deutlich tieferes gegenseitiges Verständnis für die jeweiligen Prioritäten und Arbeitsweisen der jeweils anderen Fachrichtung geschaffen, ein Nebeneffekt, den wir zu Beginn dieser Initiative gar nicht bewusst angestrebt hatten, der sich aber, im Rückblick, als mindestens ebenso wertvoll erwiesen hat wie die eigentliche technische Übung selbst.

Ich betrachte das kleine, polierte Metallstück, ein ungewöhnliches, aber bezeichnendes Erinnerungsstück, bevor ich es sorgfältig zu meinen anderen Objekten lege und die nächste Karte aus dem Kasten ziehe.

[Die Masch des Augens KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.]

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