Adoro Journal – Begleittexte · 3 min Lektüre

Als meine Tochter das Geheimnis lüftete

Ich lege C.V.s Karte beiseite, betrachte das Kaminfeuer, das sich in der letzten Stunde zu einem gleichmäßigen, ruhigen Glühen entwickelt hat, und lasse eine Erinnerung zurückkehren, die mein Doppelleben als Chirurg und Autor auf besondere Weise berührte.

Ich hatte, in den ersten Jahren meiner schriftstellerischen Laufbahn, ganz bewusst entschieden, meine Tätigkeit als Art Adoro auch innerhalb meiner eigenen, engsten Familie nicht aktiv zu thematisieren, weniger aus Geheimniskrämerei als aus einer gewissen Unsicherheit heraus, ob dieses neue, noch unerprobte zweite Leben überhaupt tragfähig sein würde. Meine Tochter, die zu jener Zeit bereits erwachsen war und ihr eigenes Leben führte, wusste zwar von meinem Ruhestand als Neurochirurg, hatte aber keine konkrete Vorstellung davon, womit ich meine Tage seither tatsächlich füllte.

Die Entdeckung geschah, wie es das Leben manchmal so einrichtet, vollkommen zufällig: Meine Tochter besuchte uns, an einem gewöhnlichen Wochenende, und entdeckte, beim Stöbern in einer örtlichen Buchhandlung, in die sie sich aus reiner Langeweile verirrt hatte, ein Buch mit dem Namen Art Adoro auf dem Cover, dessen Klappentext, wie sie mir später erzählte, eine Geschichte andeutete, die ihr auf eigentümliche Weise vertraut vorkam, obwohl sie den Autorennamen zuvor nie gehört hatte. Erst als sie, aus reiner Neugier, das Buch aufschlug und die Widmung im Innentitel las, eine Widmung, die unverkennbar an sie selbst gerichtet war, obwohl mein bürgerlicher Name nirgendwo auf dem Cover erschien, begriff sie, mit wem sie es tatsächlich zu tun hatte.

Sie rief mich, noch am selben Abend, direkt und ohne Umschweife aus der Buchhandlung an, mit einer Mischung aus Verwirrung, Erheiterung und, wie ich später verstand, auch einer leisen Verletztheit darüber, dass ich ihr diesen bedeutsamen Teil meines Lebens nicht von mir aus anvertraut hatte. Ich erklärte ihr, so ehrlich ich konnte, meine ursprünglichen Beweggründe für diese Zurückhaltung, die weniger mit mangelndem Vertrauen als mit meiner eigenen, anfänglichen Unsicherheit über dieses neue Kapitel meines Lebens zu tun hatten.

Unser anschließendes Gespräch, das sich über mehrere Stunden erstreckte, gehört zu den ehrlichsten und bewegendsten, die wir je miteinander geführt haben. Sie erzählte mir, mit einer Offenheit, die mich tief berührte, wie sehr sie sich, während ihrer gesamten Kindheit, manchmal einen Vater gewünscht hätte, der ihr mehr von seiner eigenen inneren Welt preisgab, anstatt sich, wie es meine Art gewesen war, primär über meine berufliche Leistung zu definieren. Ich versprach ihr, an jenem Abend, diese neue Offenheit auch in Zukunft zu pflegen, ein Versprechen, das ich, seither, mit wachsender Freude einzulösen versuche.

Meine Tochter gehört inzwischen zu den aufmerksamsten Leserinnen meiner Bücher, und unsere gemeinsamen Gespräche über meine jeweils neuesten Manuskripte sind mir, in den vergangenen Jahren, zu einer der wertvollsten Quellen kritischer, aber stets liebevoller Rückmeldung geworden. Sie liest, wie sie mir einmal mit einem Schmunzeln erzählte, jedes neue Manuskript inzwischen mit einem doppelten Blick: als aufmerksame Leserin, die die eigentliche Geschichte genießen möchte, und gleichzeitig als Tochter, die zwischen den Zeilen nach kleinen, unbewussten Spuren meines eigenen Lebens sucht, die sich, wie sie behauptet, in nahezu jedem meiner Bücher irgendwo verstecken, selbst in jenen Geschichten, die auf den ersten Blick nichts mit meiner eigenen Biografie zu tun haben.

Ich habe, seit jenem Abend in der Buchhandlung, begonnen, ihr meine Manuskripte bereits in einem frühen Entwurfsstadium zu schicken, lange bevor sie meinen Verlag erreichen, eine neue Gewohnheit, die unsere Beziehung, wie ich mit großer Dankbarkeit feststelle, auf eine Weise vertieft hat, die ich mir vor jenem zufälligen Buchhandlungsbesuch nicht hätte vorstellen können. Ich greife nach der nächsten Karte, mit einer besonderen Dankbarkeit für diese unerwartete, aber lang überfällige Nähe, die mir dieser zweite Teil meines Lebens, auf Umwegen, letztlich geschenkt hat.

[77 Wissensmacht - Die Kraft des Herzens KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.]

Weiterlesen im Journal

Notfälle und Sekunden, die zählen·3 min Lektüre

Die Nacht, in der die Beine schwiegen

Karteikarte Nr. 001 — Datum unleserlich, vermutlich früher Herbst. Kürzel: M.K., 34 J. Stichwort: HWS-Stenose, Querschnittssymptomatik, Notfall-OP 2:40 Uhr. Notiz am Rand, mit Kugelschreiber nachgezogen: "Der Fall, mit dem alles anfing."

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Der Vater, der beim eigenen Geburtstag kollabierte

Karteikarte Nr. 004 — Datum: Frühsommer. Kürzel: T.B., 41 J. Stichwort: Spinales Epiduralhämatom, akute Querschnittssymptomatik, OP innerhalb von drei Stunden. Notiz am Rand: "Die Zeit war der eigentliche Gegner, nicht die Krankheit."

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Der Anruf um 3 Uhr 12

Karteikarte Nr. 007 — Datum: Winter, mehrere Jahre nach meiner eigenen Facharztzeit. Kürzel: Dr. F., Assistenzärztin, Telefonat 3:12 Uhr. Stichwort: Ferndiagnose per Telefon, Entscheidung gegen die eigene Unsicherheit. Notiz am Rand: "Manchmal muss man dem jungen Kollegen mehr Mut leihen als Wissen."