Notfälle und Sekunden, die zählen · 3 min Lektüre

Der Kaffeefleck

Karteikarte Nr. 021 — Datum: eine der längsten Nächte meiner Laufbahn. Kürzel: G.T., 79 J. Stichwort: drei zeitgleiche Notfälle, ein Moment der Ruhe inmitten des Chaos. Notiz: großer Kaffeefleck, halb überschrieben, halb noch lesbar.

Es gibt Nächte im Krankenhaus, in denen sich die Ereignisse nicht der Reihe nach, sondern gleichzeitig überschlagen, und diese Nacht war eine davon. Innerhalb von neunzig Minuten wurden drei potenziell lebensbedrohliche neurochirurgische Notfälle in unsere Klinik eingeliefert, jeder für sich dringlich genug, um die volle Aufmerksamkeit eines Teams zu beanspruchen, das wir in dieser Zusammensetzung nur einmal zur Verfügung hatten. Zwischen zwei Operationen, während ich auf die Vorbereitung des dritten Patienten wartete, goss ich mir hastig einen Kaffee ein, in der Hoffnung, wenigstens für zwei Minuten sitzen zu können, um diese Karte, wie ich es immer versuche, noch am selben Abend zu schreiben, solange die Erinnerung frisch ist.

G.T., neunundsiebzig Jahre alt, war der dritte jener Patienten, eine Frau mit einer akuten Nervenwurzelkompression, die dringend operativ entlastet werden musste, aber, verglichen mit den beiden vorherigen Fällen, etwas weniger zeitkritisch war. Ich hatte, während das OP-Team sie vorbereitete, tatsächlich wenige Minuten Zeit, an ihr Bett zu treten, bevor sie in den Saal gebracht wurde. Sie war sichtlich ängstlich, allein, ihre Angehörigen noch auf dem Weg zur Klinik. Ich setzte mich, entgegen jeder Zeitplanung dieser hektischen Nacht, für einen Moment neben sie und hielt ihre Hand, bevor die Narkoseeinleitung begann. In diesem Moment klingelte mein Diensttelefon, ich griff danach, verschüttete dabei den Kaffee, den ich noch in der anderen Hand hielt, direkt über diese halb geschriebene Karte.

Alle drei Operationen jener Nacht verliefen letztlich erfolgreich, ein Ergebnis, das ich im Rückblick selbst als eine Art stilles Wunder der Logistik empfinde, ermöglicht durch ein Team, das in dieser Nacht über sich hinauswuchs. G.T.s Operation, obwohl medizinisch die am wenigsten dramatische der drei, ist mir dennoch am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben, wegen jener wenigen Minuten davor. Als sie nach der Operation aufwachte, war eines ihrer ersten Worte, wie mir die betreuende Schwester berichtete: "Ist der Arzt noch da, der meine Hand gehalten hat?" Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits im nächsten Saal, mitten in der letzten der drei Operationen dieser Nacht, aber die Schwester versprach ihr, es mir auszurichten, sobald ich Zeit fände, was ich, mit einem müden, aber aufrichtigen Lächeln, noch am selben Morgen tat.

G.T. erholte sich gut, wie auch die beiden anderen Patienten jener Nacht. Bei ihrer Entlassung, Tage später, sagte sie mir, sie erinnere sich an fast nichts von jener Nacht außer an das Gefühl meiner Hand und die wenigen ruhigen Worte, die ich ihr gesagt hatte, bevor die Narkose einsetzte. Von der eigentlichen Operation, von der medizinischen Komplexität, die dahinterstand, wusste sie naturgemäß nichts. Was blieb, war der Moment menschlicher Zuwendung inmitten einer Nacht, die für uns alle im Team eine der anstrengendsten des gesamten Jahres war.

Ich habe diese Karte nie neu abgeschrieben, obwohl der Kaffeefleck einen Teil der ursprünglichen Notiz unleserlich gemacht hat. Ich lasse sie so, wie sie ist, weil der Fleck selbst Teil der Geschichte ist, ein sichtbarer Beweis für die Hektik jener Nacht, in der trotz allem Zeit für zwei Minuten am Bett einer ängstlichen Frau blieb. Diese Karte erinnert mich daran, dass selbst in den chaotischsten, anstrengendsten Momenten unseres Berufs die kleinen menschlichen Gesten diejenigen sind, die am längsten in Erinnerung bleiben, bei den Patienten wie bei uns selbst, und dass Effizienz und Menschlichkeit einander nicht ausschließen müssen, selbst dann nicht, wenn die Uhr gegen einen läuft.

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Die Nacht, in der die Beine schwiegen

Karteikarte Nr. 001 — Datum unleserlich, vermutlich früher Herbst. Kürzel: M.K., 34 J. Stichwort: HWS-Stenose, Querschnittssymptomatik, Notfall-OP 2:40 Uhr. Notiz am Rand, mit Kugelschreiber nachgezogen: "Der Fall, mit dem alles anfing."

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Der Vater, der beim eigenen Geburtstag kollabierte

Karteikarte Nr. 004 — Datum: Frühsommer. Kürzel: T.B., 41 J. Stichwort: Spinales Epiduralhämatom, akute Querschnittssymptomatik, OP innerhalb von drei Stunden. Notiz am Rand: "Die Zeit war der eigentliche Gegner, nicht die Krankheit."

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Der Anruf um 3 Uhr 12

Karteikarte Nr. 007 — Datum: Winter, mehrere Jahre nach meiner eigenen Facharztzeit. Kürzel: Dr. F., Assistenzärztin, Telefonat 3:12 Uhr. Stichwort: Ferndiagnose per Telefon, Entscheidung gegen die eigene Unsicherheit. Notiz am Rand: "Manchmal muss man dem jungen Kollegen mehr Mut leihen als Wissen."