Die leisen Fälle: kleine Wunder
Der Regenbogen
13. Juli 2026 · 2 Min.
M.T. war neununddreißig, als sie mit einer schweren Wirbelsäulenverletzung zu mir kam, deren Behandlung sich, entgegen unseren anfänglichen Erwartungen, zu einem der langwierigsten und komplikationsreichsten Verläufe meiner gesamten Laufbahn entwickelte. Die ursprüngliche Operation verlief zunächst gut, doch in den folgenden Monaten kam es zu mehreren unerwarteten Rückschlägen, eine Wundheilungsstörung, gefolgt von einer notwendigen Revisionsoperation, anschließend eine hartnäckige Infektion, die eine langwierige antibiotische Behandlung erforderlich machte. Für M.T. bedeutete dies achtzehn Monate voller Hoffnung und Enttäuschung im ständigen Wechsel, eine Zeit, die sie selbst später als "den längsten Sturm meines Lebens" bezeichnete, eine Formulierung, die mir bei unseren zahlreichen gemeinsamen Gesprächen während dieser Zeit besonders im Gedächtnis blieb.
Was mich an M.T., während dieser gesamten, außerordentlich schwierigen Zeit am meisten beeindruckte, war ihre bemerkenswerte Fähigkeit, trotz wiederholter Rückschläge nie vollständig die Hoffnung zu verlieren, auch wenn sie mir gegenüber offen zugab, dass es Tage gab, an denen ihr genau das kaum gelang. Sie entwickelte, während dieser langen Zeit, ein eigenes kleines Ritual: Nach jedem Rückschlag zeichnete sie, sobald sie sich wieder etwas stabiler fühlte, einen kleinen Regenbogen in ihr persönliches Tagebuch, als bewusstes Symbol dafür, dass auf jeden Sturm irgendwann wieder klarer Himmel folgen würde, auch wenn sie in den dunkelsten Momenten selbst kaum daran glauben konnte, wie sie mir ehrlich gestand.
Nach dieser langen, zermürbenden Odyssee aus Rückschlägen gelang schließlich, nach der letzten notwendigen Revisionsoperation, der endgültige Durchbruch: Die Infektion klang vollständig ab, die Wundheilung normalisierte sich, und M.T.s allgemeiner Gesundheitszustand begann sich, nach Monaten der Unsicherheit, endlich stetig und zuverlässig zu verbessern. Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich ihr erstmals mit voller Überzeugung sagen konnte, dass die schwierigste Phase ihrer Behandlung nun tatsächlich hinter ihr lag, ein Moment, den sie mit stillen, aber sichtlich erleichterten Tränen aufnahm.
M.T. erholte sich in den folgenden Monaten vollständig, mit einer Beharrlichkeit und Dankbarkeit, die mich noch lange nach Abschluss ihrer Behandlung beeindruckte. Bei ihrem letzten Kontrolltermin überreichte sie mir eine Kopie ihres eigenen Tagebuchs, aufgeschlagen auf der letzten Seite, auf der sie, nach achtzehn Monaten voller kleiner, gezeichneter Regenbogen nach jedem einzelnen Rückschlag, einen letzten, besonders groß und farbenfroh gezeichneten Regenbogen festgehalten hatte, mit der Notiz: "Der Sturm ist vorbei."
Ich bewahre diese Karte, mit ihrem kleinen, handgezeichneten Regenbogen-Symbol, als eindrückliche Erinnerung an die Bedeutung von Durchhaltevermögen in der Medizin, sowohl bei den Patienten selbst als auch bei uns als behandelndem Team. M.T.s langer, von zahlreichen Rückschlägen geprägter Weg zeigt mir, dass Genesung selten ein geradliniger Prozess ist, sondern oft ein Auf und Ab, das erhebliche Geduld und inneren Widerstand von allen Beteiligten verlangt. Ihr kleines, selbst erdachtes Ritual, nach jedem Rückschlag einen Regenbogen zu zeichnen, hat mich seither dazu inspiriert, auch meinen eigenen Patienten in schwierigen, langwierigen Verläufen zu ermutigen, sich eigene, kleine Symbole der Hoffnung zu schaffen, die ihnen durch die dunkleren Phasen ihrer Behandlung helfen können.
Diese Geschichte stammt aus „Das Archiv der Wunder" (Art Adoro). Vielleicht gehört die nächste Karte Ihnen.