Skurrile Unfälle

Das Boot

31. August 2026 · 2 Min.

K.B. war siebenunddreißig, ein begeisterter Segler, der auf dem Wörthersee, nur wenige Kilometer von meiner eigenen Klinik entfernt, bei einer plötzlichen Wende von der ausschwingenden Baumleine am Kopf getroffen und ins Wasser geschleudert wurde. Er erlitt dabei sowohl eine Kopfverletzung als auch eine begleitende Verletzung der Halswirbelsäule, eine Kombination, die eine sorgfältige, koordinierte Behandlung erforderte. Ein Mitsegler, der die Situation beherzt einschätzte, hielt ihn im Wasser über der Oberfläche, bis ein zufällig in der Nähe befindliches anderes Boot zu Hilfe eilte und den Rettungsdienst alarmierte. Ich kenne diesen Teil des Sees selbst gut von meinen eigenen gelegentlichen Ausflügen und konnte mir die Szene, als K.B. sie mir später schilderte, lebhaft vorstellen.

Als K.B. in unsere Klinik gebracht wurde, zeigte die Untersuchung eine Kombination aus einer Gehirnerschütterung und einer instabilen Verletzung der oberen Halswirbelsäule, die eine sorgfältige operative Stabilisierung erforderlich machte, um das Risiko einer bleibenden neurologischen Schädigung zu minimieren. Ich erinnere mich an sein erstes klares Wort, kurz nachdem er wieder ansprechbar war, dass keine Frage nach seinem eigenen Zustand war, sondern: "Ist mein Boot noch da?" Eine Frage, die mir, trotz der Ernsthaftigkeit der Situation, ein Lächeln entlockte und die mir sofort etwas über seinen Charakter verriet, lange bevor ich ihn wirklich kennenlernte.

Die Operation zur Stabilisierung seiner Halswirbelsäule verlief erfolgreich, und die begleitende Kopfverletzung heilte ohne bleibende Schäden ab. K.B. selbst zeigte während seiner gesamten Behandlung eine bemerkenswerte, fast unerschütterliche Zuversicht, die, wie er mir später erklärte, direkt mit seiner Leidenschaft für das Segeln zusammenhing: "Auf dem Wasser lernt man, dass man die Umstände nicht kontrollieren kann, nur die eigene Reaktion darauf. Das hat mir auch hier geholfen." Diese Haltung, so ungewöhnlich pragmatisch sie in einer solchen Situation erschien, half ihm sichtlich durch die schwierigen ersten Wochen seiner Genesung.

K.B. kehrte, nach einer sorgfältig gestaffelten Reha und mit ärztlicher Freigabe, im folgenden Frühjahr auf den Wörthersee zurück, zunächst nur als Mitsegler, später wieder als eigenständiger Skipper seines eigenen Bootes. Er besuchte mich, kurz nach seiner ersten wieder selbst gesteuerten Ausfahrt, mit einer kleinen, selbst gezeichneten Skizze seines Bootes, die er mir überreichte, mit den Worten: "Für Ihre Sammlung. Falls Sie eine haben." Er hatte, ohne dass ich es ihm je erzählt hätte, richtig vermutet.

Ich bewahre diese kleine Bootsskizze mit besonderer Freude auf, nicht zuletzt, weil dieser Fall sich buchstäblich vor meiner eigenen Haustür ereignete, auf einem See, den ich selbst seit Jahrzehnten kenne und liebe. K.B.s pragmatische, fast philosophische Haltung gegenüber seiner eigenen Verletzung hat mich daran erinnert, dass die Fähigkeit, sich auf Unkontrollierbares einzulassen, statt dagegen anzukämpfen, eine der wertvollsten Ressourcen sein kann, die ein Patient in eine schwierige medizinische Situation mitbringt. Manchmal sind es gerade die Lektionen, die Menschen sich außerhalb der Medizin selbst beigebracht haben, die ihnen innerhalb der Medizin am meisten helfen, und ich habe seither versucht, meine Patienten gezielter danach zu fragen, welche solcher inneren Ressourcen sie bereits mitbringen, bevor ich ihnen meine eigenen anbiete.

Diese Geschichte stammt aus „Das Archiv der Wunder" (Art Adoro). Vielleicht gehört die nächste Karte Ihnen.

Weitere Karten